Contergan Sprechstunde

Die Problemstellung

In Deutschland leben heute rund 2700 durch Thalidomid geschädigte Menschen. Die unter dem Begriff Conterganschädigung zusammengefassten Schädigungsmuster sind individuell sehr verschieden. Bei den meisten Menschen mit Conterganschäden zeigt sich eine schnelle Zunahme degenerativer und entzündlicher Veränderungen sowie schwerer chronischer Schmerzzustände. Bei vorwiegenden Missbildungen der Extremitäten betreffen Folgeschäden vor allem die Wirbelsäule. Sie reichen von schmerzhaften Verspannungen der Schulter-, Nacken- und Rückenmuskulatur bis zu radikulären Schmerzsyndromen. Häufig liegt bei Contergangeschädigten eine Hüftdysplasie vor und führt frühzeitig zur Entwicklung einer Koxarthrose. In der Folge ist der endoprothetische Gelenkersatz im Alter vor dem 50. Lebensjahr keine Seltenheit. Neben dem Skelett betreffen die Missbildungen auch die Sinnes- und inneren Organe und bringen in manchen Fällen neurologische Ausfälle mit sich. Weiter kann vermutet werden, dass die Betroffenen zunehmend unter den psychosozialen Auswirkungen der Thalidomidschäden und unter aktuellen, sowie sich entwickelnden psychischen Störungsmustern leiden.

Die Summe der Ursprungs- und Folgeschäden führen dazu, dass die von den Betroffenen entwickelten Kompensationsstrategien mittlerweile an Grenzen stoßen. Die Stabilität der Lebensbedingungen ist dadurch als zunehmend gefährdet anzusehen. Die verringerte körperliche Belastbarkeit, der reduzierte Gesundheitszustand und chronische Schmerzzustände bedrohen in vielen Fällen die Fortsetzung der beruflichen Tätigkeit. Ein Drittel der Contergangeschädigten in Deutschland ist erwerbslos und es ist davon auszugehen, dass ein hoher Anteil in den kommenden Jahren gezwungen sein wird, vorzeitig seinen Arbeitsplatz aufzugeben.

Die gesundheitliche Entwicklung der contergangeschädigten Frauen und Männer, insbesondere ihre funktionelle Gesundheit in Bezug auf Mobilität und Selbstständigkeit, steht aktuell aufgrund des inzwischen erreichten Alters (ca. 53-56 Jahre) dieser Patientengruppe an einem Wendepunkt. Die zügige Verbesserung der Versorgung wie auch eine zeitnahe Ausweitung der Unterstützung sind dringend notwendig. Bislang gab es keine fachübergreifende medizinische Anlaufstelle für diesen Personenkreis. Der Fokus lag auf einer rein orthopädische Versorgung und zwei Rehazentren.

Das Problem einer mangelnden medizinischen Versorgung für contergangeschädigte Menschen und deren vielfältige Leiden wurde erkannt, und man ist um eine Verbesserung dieser Situation bemüht. Durch die Überleitung der Contergansprechstunde auf eine gemeinnützige Gesellschaft wird ein besserer Austausch zur medizinischen Forschung und dem Zugang zu Fördermitteln und Spenden insbesondere für den wissenschaftlichen Teilbereich der Contergansprechstunde erwartet. (Diese Fördermittel sollen selbstverständlich nicht der Erhöhung des Gewinns der Unternehmensgruppe Schön als vielmehr der Sicherung der Zukunft der Contergansprechstunde dienen.)

 

  • Kein Angebot für fachübergreifende Behandlung der Geschädigten
  • Kaum gebündeltes, medizinisches Know How
  • Kaum Forschung und lediglich minimale Vernetzung

 

Die Ansprechpartner

Dr. Rudolph Beyer Leiter Contergansprechstunde

Dr. Anne-Marie Hamm Geschäftsführerin Schön Klinik Stiftung für Gesundheit gGmbH

Dr. Ulrich Knopp Geschäftsführer der Schön Klinik Hamburg Eilbek

  • Ziel des Projekts ist zunächst einmal eine Verbesserung der medizinischen Versorgung und der Therapiemöglichkeiten von Menschen, die unter einer Contergan Schädigung leiden.

    Für eine nachhaltige und wirkungsvolle Versorgung werden alle denkbaren Partner einbezogen.

    Kurz- / Mittelfristig

    Optimale fachübergreifende Versorgung der Geschädigten und umfassende Vernetzung mit allen relevanten Partnern (auch international)

    Langfristig

    Aufbau eines Zentrums für Dysmelien unterschiedlichster Ausprägung

  • Zur Sicherung der medizinischen Versorgung wird die Contergansprechstunde Hamburg betrieben, die eine umfassende Untersuchung und Anamnese durch ein interdisziplinäres Ärzteteam anbietet.

    Hier arbeiten Schmerztherapeuten, Orthopäden, Physiotherapeuten und Psychologen sehr eng zusammen. Um den individuellen Problemen besser gerecht zu werden, stehen bedarfsweise auch Fachärzte anderer Abteilungen (Kardiologen, Gastroenterologen, Neurologen, Psychologen, Geriater) zur Verfügung. Hörschäden oder Taubheit sind vergleichsweise häufig bei Menschen mit Conterganschädigung (Beleg Conterganstudie), bei Bedarf kann in diesen Fällen kurzfristig ein externer Gebärdendolmetscher hinzu gezogen werden.

    Zusätzlich verfügt die Sprechstunde über spezielle Höhrverstärkersysteme mit denen die Kommunikation für Menschen mit Hörgeräteversorgung oder sogenannten Chochlearimplantaten (CI) erheblich verbessert werden kann.

  • Betroffene 

    • Telefonische Beratung
    • Vorstationäre Sprechstunde
    • Symposien zu Information und Austausch
    • Direkte Kontaktaufnahme zu Schwerstgeschädigten
    • Schaffung flächendeckendes Angebot von Beratungs- und Behandlungszentren

     

    Ärtze & Psychologen 

    • Vorbereitung eines QM-Handbuchs für Standardisierte Behandlung auf höchstem Niveau
    • Organisation von Expertenforen (z.B. Thema Bluthochdruck)
    • Vernetzung, Beratung und Austausch

     

    Universitäten & Wissenschaft

    • Forschungskooperationen und - Aufträge
    • Literaturdatenbank
    • Vorträge und wissenschaftliche Berichte
    • Internationale Vernetzung, z.B. Spanien, England, Japan und Skandinavien

     

    Andere

    • Regelmäßiger Austausch, Vernetzung und Kooperation mit Interessensverbänden:
    • - Conterganstiftung
    • - Gesundheitsbehörden
    • - Gesetzgeber
    • Eruierung Fördermöglichkeiten, z.B. mit Versicherungen
  • Alle Patienten erhalten eine multiprofessionelle und interdisziplinäre Analyse der Funktion des Bewegungsapparates sowie chronischer Schmerzen. Dies ist die Grundlage rationaler Behandlungsempfehlungen und dient auch der Vermeidung von Fehlversorgung. Dabei werden physiotherapeutische, medikamentöse und, falls sinnvoll, auch invasive Verfahren individuell kombiniert. Da der eindeutige Schwerpunkt bei den Physiotherapieverfahren liegt, werden umfangreiche Empfehlungen zu Art, Dauer und Kostenübernahme der Maßnahmen schriftlich dokumentiert.

    Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der Aufdeckung nicht erkannten Bluthochdrucks und Herzkreislauf Erkrankungen. Dies wird bei allen Patienten untersucht, weil durch die kurzen Arme eine valide Blutdruckmessung mit konventionellen Methoden nicht möglich ist. Bei etwa jedem zehnten Patienten haben wir in diesem Zusammenhang einen nicht gut eingestellten oder einen bis dahin nicht bekannten Bluthochdruck festgestellt. Durch die routinemäßige Blutuntersuchung, die ebenfalls aufgrund kurzer Arme erschwert ist, finden wir bei mindestens einem Drittel aller Patienten Auffälligkeiten, die eine Behandlungsempfehlung nach sich ziehen. Das sind Vitamin D Mangel, Schilddrüsenerkrankungen, schlecht eingestellte oder nicht bekannte Zuckerkrankheit und erhebliche Fettstoffwechselstörungen. Insgesamt handelt es sich um typische Risiken und Erkrankungen dieser Altersgruppe, die unbehandelt zu schwerwiegenden Komplikationen führen können. Zudem finden wir bei einem vergleichsweise hohen Anteil unserer Patienten psychische Beeinträchtigungen im Sinne einer Depression und können hier Unterstützung vermitteln. Bei hochgradiger Hüft- oder Kniegelenkarthrose, degenerativen Wirbelsäulenerkrankungen und allen anderen orthopädischen Fragestellungen im Hinblick auf eine Operation können von der Schön Klinik Hamburg Eilbek Spezialisten für ein Zweitmeinungsverfahren hinzugezogen werden. Alle erhobenen Befunde können bei Wunsch durch die Patienten für Stellungnahmen, Atteste und Gutachten zur Bewertung neu entdeckter Conterganschäden genutzt werden. Daneben stehen diese Dokumente den Betroffenen für Anträge bei der Conterganstiftung und bei Behörden zur Verfügung.

  • 1. Erstvorstellung - Ambulante Sprechstunde der Schön Klinik Stiftung für Gesundheit gGmbH

    Schmerztherapeut
    Orthopäde
    Optional: Röntgendiagnostik, Neurologische Diagnostik

    2. Stationäre Diagnostik in der Schön Klinik Hamburg Eilbek

    Orthopädie
    Psychologe
    Physiotherapie
    Optional: Innere Medizin, Neurologie, Chirurgie, Psychiatrie, Ernährungsberatung, Logopädie, Radiologie, Rheumatologie

    3. KV-Sprechstunde - Wiedervorstellung

    Therapiekontrolle
    Verordnung von Arznei, Heil- und Hilfsmitteln
    Unterstützung bei Anträgen

  • "… schon die Telefonate mit Frau Brkitsch waren so ausführlich und offen, dass ich mich da schon ohne Angst auf den Weg machen konnte. Und ich muss sagen, ich wurde nicht enttäuscht."

    • Patientin, Contergansprechstunde
    •  

    "… ich möchte nochmals herzlich DANKEN für den angenehmen Aufenthalt. Das ganze Team um Dr. Beyer, hat erstklassige Arbeit geleistet."

    • Patient, Contergansprechstunde
    •  

    "Optimale organisatorische Betreuung durch Frau Brkitsch. Unkomplizierte Ausstellung von Verordnungen und prompte Reaktion bei Rückfragen.“

    • Patient, Contergansprechstunde
    •  

    "Vielen Dank nochmal für die herzliche und professionelle Behandlung und Betreuung durch ihr Personal und ihre Ärzte."

    • Patient, Contergansprechstunde
    •  

    "Die beste Klinik, die ich kenne! Dr. Beyer und Frau Brkitsch, einfach toll."

    • Patient, Contergansprechstunde
    •  

    "Ich habe mich gerade als Conterganpatient, bei Ihnen optimal betreut und sehr gut aufgehoben gefühlt."

    • Patient, Contergansprechstunde
    •  

    "Mit der Betreuung durch Dr. Beyer und seiner Mitarbeiter war ich absolut zufrieden. Auch ein großes Lob an Frau Brkitsch, aus dem Sekretariat der Contergansprechstunde, sie kümmert sich sehr."

    • Patient, Contergansprechstunde
    •  

    "Ich bin sehr dankbar, dass die Contergansprechstunde eingerichtet wurde."

    • Patient, Contergansprechstunde
    •  

    "Betreuung und Beratung optimal, man fühlt sich wohl und wird ernst genommen."

    • Patient, Contergansprechstunde
  • Artikel aus dem HH Abendblatt

    An der Schön Klinik Hamburg Eilbek untersuchen Ärzte ab sofort gezielt betroffene Patienten. 400 Contergan-Opfer leben in Norddeutschland. Umstrittener Wirkstoff ist immer noch zugelassen

Kontakt 

Dehlia Brkitsch 
Medizinische Fachangestellte
Contergansprechstunde, Schön Klinik Stiftung für Gesundheit gGmbH

Tel.: +49 40 2092-2364
Fax: +49 40 2092-832364

Erreichbarkeit:

Montag 8:00 - 15:00 Uhr
Dienstag 8:00 - 15:00 Uhr
Mittwoch 8:00 - 13:30 Uhr

DBrkitsch@schoenhelfen.de
Contergansprechstunde@schoenhelfen.de

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